Aktuelle Aspekte der Osteoporose

Durch die sich dramatisch ändernde Lebensalterspyramide nehmen die Krankheiten des Alters deutlich an Bedeutung zu. Neben den anderen großen Volkskrankheiten wird die Osteoporose (die krankhafte Verminderung der Knochenmasse) und ihre Folgen in der Zukunft eine überragende Rolle - auch wirtschaftlich - spielen. Gerade im Zeichen der von der UNESCO ausgerufenen "Bone and Joint Decade 2000-2010" gibt es eine Reihe von Neuerungen in der Erkennung und Behandlung der Osteoporose.

Durch die Empfehlung des Bundesausschusses Ärzte und Krankenkassen erfolgte die Herausnahme der Knochendichtemessung aus dem Leistungskatalog der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung), dass heißt diese Untersuchung darf nicht mehr (abgesehen von besonderen Fällen) zu Lasten der Krankenkasse erfolgen. Trotz dieser in unseren Augen unglücklichen Entscheidung sollte man den (präventiven) Wert dieser Untersuchung nutzen. Unter anderen unsere orthopädischen Kollegen halten aber weiterhin die Geräte zur Osteodensitometrie vor, so dass Sie dorthin privat überwiesen werden können.

Neben den bisher bekannten allgemeinen Empfehlungen (Ca-reiche Ernährung und Bewegung) und der medikamentösen Therapie (Gabe von Calcium-Tabletten und Vit.D) haben neue Substanzgruppen einen entscheidenden Platz in der Osteoporosetherapie

In großen Studien konnte die Wirksamkeit der Bisphosphonate (Risedronat, Etidronat) und der SERMs (Raloxifen) belegt werden:
Der SERM Raloxifen senkt darüberhinaus das Brustkrebsrisiko.
Mit den Bisphosphonaten steht nun auch eine Substanzgruppe zur Verfügung, die den
Knochenabbau bei einer Cortison-bedingten Osteoporose nachweislich verhindert.
Einen Wandel in der Auffassung erfährt die Versorgung mit Miedern und Korsetts der betroffenen Patientinnen. Die starren Orthesen behindern die Bauchatmung und sind durch funktioneile Orthesen zu ersetzen. Ihr Orthopäde sucht gemeinsam mit dem Orthopädie-Techniker die für Sie geeignete Versorgung.
Inwieweit der Osteoporose-Gen-Test an Bedeutung gewinnen wird, bleibt zunächst noch offen (Collagen-I-alpha 1 (COILA)-Gen).
Die große Bedeutung der Osteoporose zeigt sich auch in der Bildung der REKOs (Regionale Expertenkreise Osteoporose). Experten verschiedener Fachrichtungen diskutieren aktuelle Aspekte der Diagnostik und Therapie der Osteoporose.
Ihr Orthopäde hat die Aufgaben, die Erkrankung zu erkennen (Osteodensitometrie, Labor), andere Erkrankungen abzugrenzen und die Osteoporose zu behandeln.
 

Arthrose, Orthopädie und Molekularbiologie

Etwa 50% aller Menschen über 65 Jahren leiden unter Verschleißerkrankungen der Gelenke, besonders der Hüften und Kniegelenke sowie der Gelenke der Wirbelsäule.

Ihr Orthopäde wird sie über die unterschiedlichen prinzipiellen Behandlungskonzepte zur Therapie der Arthrose informieren. Bewährte traditionelle Methoden stehen dabei neben modernen interessanten, die ihre Wirksamkeit an einem großen Patientenklientel noch beweisen müssen.

Für die Entstehung der degenerativen Veränderungen spielen neben mechanischen Faktoren sogenannte Zytokine wie das Interleukin-1 eine wichtige Rolle. Diese Zytokine sind bedeutsam für die Kommunikation zwischen den Synovialzellen, die das Gelenk auskleiden, und den Knorpelzellen, die wie ein Rasen die elastische Gelenkfläche bilden.
Beim Gelenkverschleiß liegt ein in der Regel zunächst örtlicher Prozess vor, bei dem von den Knorpelzellen gebildete Enzyme den Knorpelverlust durch Eiweißspaltung erzeugen.

Das Interleukin -1 (IL-1) ist ein Immunbotenstoff, der bei zu langer oder zu starker Produktion in der Lage ist, sowohl am Knorpel wie auch am Knochen und am Nerven Schäden zu verursachen.

Biologisch kommt ein Interleukin-1 Rezeptor Antagonist (IL-lRa) vor, der mit dem IL-1 um den Rezeptor konkurriert. Unter der Vorstellung, gewissermaßen die Konzentration des IL-1 Ra im Gelenk zu erhöhen, um die gelenkzerstörende Kraft des IL-1 zu vermindern, waren molekularbiologisch und gentechnologisch verschiedene Modelle Gegenstand der Forschung.

Aus dieser Arbeit ist als interessantes Therapiekonzept die Behandlung mit Eigenserum entstanden. Das Prinzip beruht darauf, dass Patienten vermittels einer speziell behandelten Spritze Blut abgenommen wird. Durch diese ORTHOKIN-Spritze werden die Monozyten als eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen zur vermehrten Produktion des IL-1 Ra stimuliert. Danach werden die Blutzellen von dem Serum, dass den IL-1 Ra enthält, getrennt und das so gewonnene angereicherte Serum kann zum Schutz des Knorpels vor der zerstörerischen Wirkung des IL-1 fungieren.